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{Tief schürfen! 4.10.05}

>>>>>>>BRAUSEBOYS-NEWSLETTER<<<<<<<<<<<
die Themen:
-Do., 6.10. die BRAUSEBOYS – mit Till Wilsdorf! 21 Uhr
-Oktober ist FOSSILIENMONAT
-„Provinz Berlin“-Tour in Halle/Westfalen und Bielefeld!
-Sudoku-Fieber

Da habe ich nun eine Firewall, aktive Mailfilter und noch eine Reihe digitaler Türsteher mehr hinterm Telefonkabel stehen, die subversive und verseuchte Dateien von meiner täglichen Datenparty fernhalten. Und doch gibt es nach all der technischen Hochrüstung eine andere Schwachstelle. Einen Zugang, der ungeschützter nicht sein kann, denn er befindet sich im schwächsten Glied der technischen Kette von Mensch zu Server. Es ist eine weiche, unzuverlässige Substanz, die meint, sie sei für den Verlauf des Lebens unerläßlich.
Unsere Gehirne blicken beinahe schutzlos auf Inhalte, die sich sofort festsetzen und zu schweren Infektionen ausweiten können, und während in den letzten Tagen mein Computer gesund daherschnurrt, wüten Quadrate auf meiner eigenen grauweißen Festplatte und alle Lappen, Hälften, Klein- und Großkalibernervenbündel machen mit und wollen Zahlen von 1-9 logisch erschließen. In jeder Reihe quer und längs ohne Doppelungen, und in jedem Teilquadrat. Mein Computer ist aufgeräumt, rechenstark und zu jeder Schandtat bereit, und sein Herrchen sitzt wie betäubt davor und bläst sich mit japanischen Zahlenrätseln den Kopf frei. Dabei könnte es der Rechner viel schneller!
Den ersten Sudoku-Kontakt verschuldet Hinark Husen im Brauseboys-Tourbus. Was ist denn das, was der da macht? dachte ich interessiert, und ließ mich vom Reigen der schwarzen Gitter und der Zahlen in eine leichte Hypnose treiben, er gab mir das angebissene Rätsel und ich löste es. Gleich nach dem Einsetzen der letzten Zahlen setzte der Hunger auf mehr ein, das zweite Rätsel in der Tageszeitung war aber schon gelöst und ich schlug meine Zähne in die Kopfstütze vor mir, bis das gräßliche Ziehen im Hirn ein wenig nachließ. Ich kam davon, aber eine Woche später löste ich wieder Zahlenquadrate und erweiterte mein Schema zur Erschließung. Kurz darauf scheuchte ich erstmalig den arbeitsbereiten Computer durchs Internet und ließ den Browserhund nach Sudoku-Seiten schnüffeln, bin jetzt voll auf Schwer+ Sudokus, und spüre schon, wie sich die ersten Folgeschäden einstellen. Alle Zahlenbereiche der Großhirnrinde lockern ihre Verknüpfungen und plötzlich fallen mir Geburtstag und Pin-Zahlen nicht mehr ein. So ist das!
Und fürs eigene Gehirn kann man nicht so schnell ein Patch herunterladen. Ich stelle mir mittlerweile sogar beim Pinkeln das Zettelchen mit dem geilen Gitter auf den Spülkasten und wenn ich morgens aufwache, ist es immer ganz zerknittert auf meinem Kissen.
Wie man davon runterkommt, weiß ich nicht, die Zahl aller möglichen 9x9 Sudokus beträgt 6.670.903.752.021.072.936.960 (6 Trilliarden usw.) und selbst wenn man etwa 50 am Tag löst, braucht man allein 365 Billiarden Jahre und das ist, um es mal plastisch auszudrücken 27 Millionen mal so lange, wie es das Universum schon gibt. Machen alle Menschen mit, brauchen wir bei gleichbleibender Bevölkerungszahl immer noch 56 Millionen Jahre, was eindeutig zu viel ist. Um noch zu unseren Lebzeiten alle Sudokus per Hand zu lösen gelingt nur, wenn wir in dreißig Jahren die Weltbevölkerung auf knapp 400 Billiarden anwachsen lassen und das ist bei aller Freundschaft für familienfreundliche Politik vielleicht ein bißchen viel für unseren kleinen Planeten.
Am besten lassen sich die teuflischen Zahlen übrigens mit einem guten Buch bekämpfen, man sollte nur nicht den Fehler begehen und das ausgedruckte Rätsel als Lesezeichen benutzen!

FOSSILIEN bei den BRAUSEBOYS im OKTOBER
Sie haben Geschichte geschrieben. Über sie wurden viele Geschichten geschrieben. Immer noch geben sie irgendwo und irgendwie den Ton an: lebendige Berliner Fossilien. Die Brauseboys laden sich diese Fossilien in den Wedding, einfach mal so zum Plaudern, von Fossil zum jungen Menschen.

-Donnerstag, den 6.10. >> DIE BRAUSEBOYS – FOSSILIENMONAT! in Text und Musik - mit Nils Heinrich, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning & TILL WILSDORF (Mitbegründer der Kommune 1) >>21.00 Uhr /Laine-Art

weitere Infos & Links unter www.brauseboys.de

Text, Musik und die nettesten finnischen Gastgeber der Welt. >Jeden Donnerstag, 21 Uhr< im Laine-Art, Liebenwalder Str.39, Hinterhof, nahe U6-Seestraße, U9-Nauener Platz und MetroTram M13 Osram Höfe

PROVINZ BERLIN TOUR
>Di, 11.10. Halle/Westfalen – Kulturzentrum Remise
>Mi, 12.10. Bielefeld – Bunker Ulmenwall >20.30 Uhr

die Bücher „Provinz Berlin“ & „Wenn Weddinger weinen“ sind Produkte des Satyr-Verlags und sind im Buchhandel, im Internet und natürlich bei uns direkt erhältlich!

Kulturhinweise:
-Sudokus stehen täglich & jederzeit bereit auf:
www.zeit.de/sudoku &
www.sudoku.name/

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wer den newsletter nicht mehr erhalten möchte, schreibe „Ich esse doch auch kein Sushi!“ in den betreff der zurückgesendeten mail.
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Grüße
vom
Browserboy


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