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{Weddinger Süden! 15.8.06}

>>>>>>>BRAUSEBOYS-NEWSLETTER<<<<<<<<<<<
die Themen:
-Do., 17.8. BRAUSEBOYS – mit Paul & Willi! 21 Uhr /Laine-Art
-Browserboy Blog
-Rosenthaler platzt!

Die Elektrische Nr. 8 fährt gerade nicht über den Rosenthaler Platz, der Ersatzbus legt bei Beate Uhse ab. Es hämmert und dröhnt, während die Brunnenstraße aufgerissen wird, als Frank Hefezopf aus längerer Abwesenheit nach Hause zurückkehrt. Es ist eine Gegend, die man kennen muß, um zu wissen, daß sie mit dem Westen Berlins nicht in einem Atem zu nennen ist. Er geht zwischen den anderen auf Holzbohlen.
Ein Schreck durchfährt ihn! In einem Imbiß sitzt ein Paar dicht am Fenster, die gießen sich Bier aus Flaschen in den Hals, ist ja nichts dabei! Sie trinken eben, sie haben Gabeln und stechen sich damit Fleischstücke in den Mund, dann ziehen sie die Gabeln wieder heraus und bluten nicht. Drüben gibt Aschinger (aus dem Württembergischen) den Leuten zu essen und Bier zu trinken, Konzert und Großbäckerei. Aschinger, das erste Gastätten-Imperium, ist eine Wohltat für hungrige Künstler. Schrippenspeisung: Man bestellt einen Teller Erbsensuppe, der kostet 30 Pfennig und ist kein Teller sondern eine Terrine. Man kann dazu soviel Brot und Brötchen haben, wie man will. Ist der Brotkorb leer, so kommt der Kellner von selbst und füllt nach. Hauptsache aber, sie haben das Bier. Burger King hat vor ein paar Jahren zugemacht, weil die Konkurrenz zu stark war.
Im Briefkasten ein fliegender Hinweis: Polizeigraf von Hacke prüft derzeit, ob die ausländischen Dealer aus dem Voigtland im Winter in ihre Heimat zurückkehren (und dort ihr Geld ausgeben). Im Internet (im Waschsalon an der „Communication“, der Thor Straße“) recherchiert Frank Hefezopf, daß die Gegend vor dem Tor den größeren Diebesbanden von jeher zum Schlupfwinkel gedient hat, 200 Jahre ist es her, „so hat das lose Gesindel hier immer den Rücken frei und kann zur Nachtzeit seinen Frevel in den umliegenden Dörfern ausüben.“ Ein Herr Hoppe schreibt kürzlich, der Platz wurde schnell zum Sammelbecken der ärmeren Bevölkerung, angelockt auch durch die billigen Mieten und die Möglichkeit, Gelegenheitsarbeiten anzunehmen. Stimmt!
Kaum ist unser Hefezopf in seiner Unterkunft, klingelt sein Nachbar Pannwitz und läßt die übliche Tirade ab: Eine Polizeistation müßte errichtet, um das ganze Viertel eine Mauer gezogen werden. Er wird von Hefezopf mit einigen hastigen Schlucken Kadarka abgewimmelt, greift schließlich aber selbst zu, bis sie doch gemeinsam über die Treppe nach unten stolpern. Gewimmel auf dem Rosenthaler, welch Gewimmel. Wie sich das bewegt. Mein Brägen hat wohl kein Schmalz mehr, der ist wohl ganz ausgetrocknet, denkt sich Hefezopf. „Wir gehen zu Schlemmers Wurstbraterei!“ entscheidet er. „Sieh mal an, die bauen Untergrundbahn, muß doch Arbeit geben in Berlin“, ruft der Nachbar und rückt einen Gartenstuhl auf der Synthetikwiese zurecht. Pannwitz hat doch ne Panne, denkt Frank. Touristen, Neuberliner und Clubgänger lachen, warten auf der Schutzinsel gegenüber Aschinger zu zweit oder zu dritt, rauchen Zigaretten, blättern in Zeitungen und auf dem keilförmigen Fundament Brunnenstraße 1, mit einer Brandmauer im Rücken drängeln sich versiffte Stände für Currywurst, Blumen, Backwaren, Gemüse, Trockenfrüchte, Döner, orientalische Spezialitäten und ein Fotoautomat. Wie sie den Weg zurück einschlagen, es ist 8 Uhr abends, huscht Hefezopfs junge Nachbarin an ihnen vorbei, sie hat eine Notenmappe unterm Arm, den Krimmerkragen hat sie hoch ins Gesicht geschlagen, die Ecke Brunnenstraße-Weinbergsweg wandert sie hin und her. Ein Mann im Pelz spricht sie an, sie fährt zusammen, geht rasch auf die andere Seite. Sie steht unter der hohen Laterne, beobachtet die Ecke drüben. Ein älterer kleiner Herr mit Hornbrille erscheint drüben, sie ist sofort bei ihm. Sie geht kichernd neben ihm. Sie ziehen die Brunnenstraße rauf.

(Der Text ist eine Collage aus aktuellen bis über 200 Jahre alten Texten über den Rosenthaler Platz, von Alfred Döblin, Georg Grosz, Gerhart Hauptmann, Ralph Hoppe, mir selbst, und historischen Dokumenten)
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-Donnerstag, den 17.8. >> Die BRAUSEBOYS - Text & Musik mit Nils Heinrich, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning & PAUL & WILLI >>21 Uhr /Laine-Art

> Die beiden sympathischen Irren aus Erfurt machen Geräuschpantomime. Also Bewegungen zum Hören, Gestik plus Mimik mit Akustik. Und irre lustig. Und preisgekrönt in der Schweiz (Swiss Comedy Award 2005). Wir freuen uns wie irre! Klick: www.paulundwilli.de

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und immer wieder NEU: Heikos Blog „Reptilienfonds bei der taz. Klickt: http://taz.de/blogs/reptilienfonds/

Text, Musik und die nettesten finnischen Gastgeber der Welt. >Jeden Donnerstag, 21 Uhr< im Laine-Art, Liebenwalder Str.39, Hinterhof, nahe U6-Seestraße, U9-Nauener Platz und MetroTram M13 Osram Höfe (der 4. Donnerstag im Monat ist rauchfrei!)

Kulturhinweise:
-Wir begrüßen mit Paul Bokowski einen weiteren Co-Autoren des Browserblogs. Immer aktuell: www.browserboy.blog.de

-Vielen Dank für die tatkräftige Unterstützung bei unseren Aufnahmen letzte Woche. Ihr werdet eine wirklich tolle Doppel-CD!

-Cartoontip (englisch): http://www.mideasttruth.com/cartoons.html

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Grüße
vom
Browserboy




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